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Die syrischen Kaiser von Rom und das Christentum
Dr. Hanna Aydin
Um die Motive für die Niederlassung der Aramäer im Westen zu deuten,
will ich einiges aus der Geschichte der römischen Cäsaren aufgreifen.
Dazu muss ich in die Geschichte des 3. Jahrhunderts zurückblicken und
zwar auf die severianisch-aramäische Dynastie 211 - 235 n. Chr.
Nachdem Bihlmeyer die Politik des Kaisers Septimus Severus und dessen
Heirat mit Julia Domna, der Tochter des Hohenpriesters des Sonnenkultus
der Aramäer zu Emesa (heutige Stadt Homs in Syrien) erläutert hatte,
schrieb er folgendes:
"Daher ließ er auch den Prunkbau des Septionimus mit einer
Darstellung der Planetengötter als des eigentlichen Leiters seiner
Geschicke krönen und nahm den Weisungen der Astrologen folgend als
Legat der Provincia Lugdunensis im Jahr 185 eine Aramäerin, deren
Nativität mit der seinen übereinstimmte, zur (zweiten) Frau. Das war
Julia Domna (aramäisch Martha), die schöne und hochbegabte Tochter des
Bassiamus, des Hohenpriesters des Sonnengottes zu Emesa".
Julia Domna hinterließ konkrete Spuren ihrer Geschichte, die von ihrer orientalischen Gesinnung geprägt waren.
"Julia Domna förderte nämlich als Kaiserin nicht nur die
einheimische Sitte und Religion im Westen auf alle Weise - die Aramäer
sind von jeher Vertreter einer glühenden und stark propagandistisch
gerichteten Frömmigkeit, als Heiden wie als Christen, - sie übte auch
mit den anderen, ebenso intelligenten und herrschsüchtigen Frauen ihrer
Familie, die sie nach Rom zog, ihrer Schwester Julia Mäsa und deren
beiden Töchtern Julia Soemias und Julia Mamäa - beide Mütter von
Kaisern - auf lange Zeit einen maßgebenden Einfluss auf die Geschicke
des Reiches. Von der Regierung ihres Sohnes Karakalla an durchbrach der
Orientalismus alle Schranken und Dämme und so genoss die Welt das so
unrömische Schauspiel, daß vier aramäische Frauen, die genannten vier
Julien, 24 Jahre hindurch (211 - 235) die Zügel der Regierung in den
Händen hielten und das religiös-sittliche Leben der römischen
Gesellschaft beherrschten".
Es ist nicht erstaunlich, wenn Julia Domna die Türe des Reiches für
ihre Familie und die orientalischen Landsleute geöffnet hat. Sie wird
als Himmelskönigin, Königin der schönen Wissenschaften und
Hohepriesterin des Synkretismus bezeichnet. Julia Mamäa folgte auch
ihrem Beispiel. Sie trat in voller Aktivität unter der Regierung ihres
Sohnes Kaiser Alexander (222 - 235) in den Vordergrund.
Bihlmeyer stellt eine Frage über das Verhältnis der aramäischen Dynastie zu der jungen Kirche.
"Wie verhielt sich die Dynastie der aramäischen Kaiser und ihre Zeit überhaupt gegenüber dem Christentum?"
Im Hinblick auf die Aussagen der Kirchenväter beantwortete er selbst diese Frage.
"Jedenfalls wurde diese ganze Zeit von Christen selbst als Zeit
der äußeren Ruhe und ungestörten Entwicklung aufgefasst. Den vielen
gaffierenden Orientalismus angesteckten und vor allem den Herrschern,
die ihrer Abstammung nach selbst Orientalen waren, und den
tonangebenden kaiserlichen Damen mussten eine Religion nicht ganz
unsympathisch sein, welche in Palästina-Syrien heimisch und
aufgewachsen war und mit den Mysterienkulten so manche verwandte Züge
hatte".
Nach dem Tod des Kaisers Septimus Severus regierte sein Sohn Karakalla
211 - 217 mit seiner Mutter Julia Domna. Nach Karakalla regierte
Elagabal (aramäisch: Elagabal = Gott schuf) 218 - 222 mit seiner Mutter
Julia Mäsa. Elagabal ist nach dem aramäischen Sonnenkult zu Emesa mit
der Hohenpriesterwürde bekleidet und führt den aramäischen Namen
EIagabal, in griechisch-lateinischer Umformung Heliogabalus.
Elagabal wollte seinen aramäischen Namen und der orientalischen
Religion treu bleiben. Nun erkannte man in Rom den Priesterkönig von
Emesa als Herrscher des Gesamtreiches an.
"Der Senat musste sich vor dem aramäischen Knaben, Jupiter
Kapitolinus vor dem Baal von Emesa beugen, der römischokzidentalische
Geist vor dem orientalischen Unwesen trauernd sich verbergen. Elagabal
hatte nichts römisches mehr an sich wie immerhin noch Karakalla und
Makrinus, er war ganz Aramäer, der alles in sich vereinigte, was der
Orient nur irgend an geiler Sinneslust und schmachvollen Lastern zu
erzeugen vermag."
Der religiöse Synkretismus ist beim Kaiser Elagabal in der gröbsten und
abstoßendsten Gestalt; das semitische beherrscht in ihm alles und
gewinnt vollends die Oberhand über den griechisch-römischen Kult. Es
ist wohl zu verstehen, daß zahlreiche Aramäer aus Asien sich in Europa
niederließen, während ein Aramäer als Herrscher in Rom regierte und die
aramäischen Kulte von Römern eifrig verehrt wurden. Der Mensch lebt
wohl und fühlt sich in Sicherheit, wo die Menschen die gleichen
Bekenntnisse wie er haben.
Ich kann mir die Situation der Emigranten Christen aus der Türkei
vorstellen, die nicht nach Arabien flüchteten, sondern nach
christlichen Ländern (Europa). Die Aramäer selbst unterstützten aus
nationalistischen Gründen die aramäischen Kaiser sowohl in Asien als
auch im Westen. Bihlmeyer beschreibt die mangelnde Reife des Kaisers,
wobei die Aramäer ihm beistanden
" ...daß zahlreiche Kolonien von Syrien in oft einflussreichen
Stellungen zu Rom und im übrigen Abendland ihm zur Stütze dienten".
Seine religiöse Politik schuf eine günstige Lage für die christliche
Mission. Er wollte die anderen Götter ja eigentlich nicht beseitigen,
sondern aus ihnen nur Diener seines EI-Gabal machen. Auch die Juden und
Christen sollten ihren bildlosen Gott eben nur im Tempel des
Sonnenkultes anbeten, im Übrigen hätte er sie ruhig gewähren lassen.
Die Abwertung und die Erniedrigung des Polytheismus und der Kaiserkult
führte zur höchsten Stufe gepflegten Synkretismus, der der wahren
monotheistischen Religion die Bahn mehr und mehr ebnete!
"Tatsächlich lebte die christliche Kirche unter Elagabal fast
in völligem Frieden dahin, von einer Verfolgung derselben war keine
Rede".
Nach dem Tod Elagabals kam Severus Alexander 222 - 235, im Alter von
erst 13 ½ Jahren, so jung wie noch kein römischer Kaiser vor ihm; der
Sohn von Mamäas bestieg als Alleinherrscher den Thron.
Für das Reich war dies ein Zeichen der Dekadenz und Veranlassung
für die Aufstände und das Eindringen der Grenzvölker und Herrschaften
ins Land.
"Nach altrömischen Prinzipien wäre diese Dynastie, die aus
einem Weibe und einem Knaben bestand, zur Regierung eigentlich gar
nicht befähigt und berechtigt gewesen, allein um solche
staatsrechtliche Bedenken kümmerten sich die herrschgierigen
aramäischen Frauen nicht, es waren ja auch
gar keine echten Römer mehr."
An der Spitze der Regierung Alexanders standen natürlich seine
Großmutter Julia Mamäa Mäsa und seine Mutter Julia Avita Mamäa.
Eigentlich hatte Alexander nicht regiert, sondern in seinem Namen seine
kluge Mutter. Er war dazu gar nicht fähig.
Als Alexander ins Feld zog, begleitete ihn seine Mutter; beide
wurden am 19. März 235 in der Umgebung von Mainz im Zelt erschlagen.
Mit Alexander starb die severisch-aramäische Dynastie aus. Die
Historiker rühmen ihn sehr.
„Er ließ die Christen und ihre Religion ganz unangefochten, die
Verfolgungsgesetze, wenn auch nicht formell aufgehoben wurden nicht
angewendet; Toleranz war ihm Regierungsmaxime“.
Viele glauben, er sei Christ gewesen, im Hinblick auf den Schriftwechsel zwischen Origenes und Mamäa.
Nach der severisch-aramäischen Dynastie ist der enge Kontakt der
Aramäer mit den Römern weiter gepflegt worden, so dass sechs Aramäer in
Rom den päpstlichen Thron bestiegen:
Hl. Anicetus (154-165), Johannes V. (685-686), Hl. Sergius I.
(687-701), Sisiinus (708), Constantinus I. (708-715), Hl. Gregorius
III. (731-741).
Quelle: Hanna Aydin: Die syrisch-orthodoxe Kirche in Antiochien : ein geschichtlicher Überblick. Bar Hebraeus, Glane 1990, S. 26-29
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